Welchen Anbieter von Industrierobotern sollte man für das eigene Werk wählen?

Die Entscheidung für eine bestimmte Roboter-Marke ist eine Investition für 10–15 Jahre. Diese Wahl bestimmt nicht nur die Produktionsleistung, sondern auch die IT-Architektur Ihres Werks, die Serviceverfügbarkeit und die Energiekosten. Im heutigen Technologielandschaft teilt sich der Markt in zwei Hauptpfade: traditionelle Industrie-Giganten und flexible kollaborative Systeme (Cobots).

Die „Big Four“ – Fundament der Massenproduktion

Wenn Ihre Priorität auf 24/7-Betrieb, maximalen Geschwindigkeiten, größerer Reichweite und höheren Traglasten liegt, sollten Sie einen der Giganten wählen, die die moderne Robotik definiert haben.

1. FANUC (Japan)

Der weltweit größte Hersteller. Ihre Roboter sind für ihre hohe Betriebszuverlässigkeit (MTBF) bekannt.

  • Vorteile: Einheitliche Steuerung von kleinsten Einheiten bis zu Robotern mit 2,3 Tonnen Traglast. Hervorragende Integration mit CNC-Maschinen.
  • Schlüsselserien: R-2000iC (universell), M-2000iA (höchste Traglasten).

2. ABB (Schweiz/Schweden)

ABB setzt Maßstäbe in Software und Cloud-Integration.

  • Vorteile: Marktführende Simulationsumgebung RobotStudio (Digital Twin). OmniCore-Controller verbrauchen bis zu 20 % weniger Energie.
  • Schlüsselserien: IRB 6700 (Automobilindustrie), IRB 1100 (kleine Bauteile).

3. KUKA (Deutschland)

Deutsches Engineering mit starker Unterstützung der Midea-Gruppe. Die Programmierung von KUKA-Robotern ist Standard im europäischen Automobilsektor.

  • Vorteile: Windows-basiertes Betriebssystem (IT-freundlich), hohe Bewegungspräzision und Konstruktionssteifigkeit.
  • Schlüsselserien: KR QUANTEC (am weitesten verbreitet), KR AGILUS (klein und schnell).

4. YASKAWA / MOTOMAN (Japan)

Pioniere des robotergestützten Schweißens. Ihre Roboter zeichnen sich durch sanfte Bewegungen und fortschrittliche Bahnalgorithmen aus.

  • Vorteile: Einzigartige Steuerungen für bis zu 8 simultane Roboterarme. i³-Mechatronics-Philosophie zur Echtzeit-Integration von Prozessdaten.
  • Schlüsselserien: GP (General Purpose), AR (Schweißroboter).

Führer im Cobot-Segment – Flexibilität und Sicherheit

Kollaborative Roboter (Cobots) haben den Markt revolutioniert, da sie Seite an Seite mit Menschen arbeiten können (ohne Schutzumhausungen) und sich durch einfache Implementierung auszeichnen.

1. Universal Robots (Dänemark)

Erfinder der ersten kommerziellen Cobot-Konstruktion. UR verfügt über das weltweit größte Zubehör-Ökosystem (UR+).

  • Warum lohnenswert: Plug-and-Play. Der Roboter kann direkt aus der Verpackung in wenigen Stunden einsatzbereit sein. Die neuesten Modelle UR20 und UR30 bieten Traglast und Reichweite ähnlich wie Industrieroboter, behalten jedoch alle Vorteile eines Cobots.

2. Doosan Robotics (Südkorea)

Südkoreanischer Gigant, der 2026 zum stärksten Konkurrenten von UR wird.

  • Warum lohnenswert: Ihre Cobots (Serie H) besitzen in jedem der sechs Gelenke Momentensensoren, wodurch sie zu den sichersten auf dem Markt zählen. Sie bieten einzigartige KI-Lösungen (Serie P für Palettierung).

3. FANUC CRX

Fanucs Antwort auf den Erfolg von UR. Die CRX-Serie vereint die Einfachheit eines Cobots mit der Robustheit eines klassischen Industrieroboters.

  • Warum lohnenswert: Garantie auf 8 Jahre wartungsfreien Betrieb. Beliebt bei Werken, die einen Cobot wünschen, aber ausschließlich der japanischen Mechanik vertrauen.

4. Techman Robot (Taiwan)

Innovativer Hersteller, der als erster ein Kamerasystem direkt im Roboterarm integriert hat.

  • Warum lohnenswert: Ideal für Pick-&-Place-Aufgaben und Qualitätskontrollen, bei denen die Formenerkennung ohne teure externe Vision-Systeme erforderlich ist.

Vergleichstabelle: Industrieroboter vs. Cobot

MerkmalIndustrieroboterCobots
GeschwindigkeitSehr hoch (bis 10 m/s)Aus Sicherheitsgründen begrenzt
SicherheitSchutzumhausungen / Lichtvorhänge erforderlichSicher im Kontakt mit Menschen
ProgrammierungTextbasiert / FortgeschrittenGrafisch / Handführung
MobilitätFest installiertLeicht, einfach zu transportieren
EinsatzgebietMassenproduktion, schwere BauteileMontage, Verpackung, Mitarbeiterunterstützung

Digitale Zwillinge und Offline-Simulationen – Der Schlüssel zu schnellem ROI

In der modernen Robotik ist Hardware nur die halbe Miete. Der wahre Wert liegt in der Software. Moderne Entwicklungsumgebungen ermöglichen die Erstellung eines digitalen Zwillings (Digital Twin) einer Station, wodurch Kollisionen und Konstruktionsfehler frühzeitig ausgeschlossen werden können.

Die beliebtesten Engineering-Umgebungen für Industrieroboter:

  • ABB RobotStudio: Ermöglicht vollständiges Programmieren und Optimieren in 3D. Dank des virtuellen Controllers funktioniert der am Computer erstellte Code identisch auf der realen Maschine.
  • Fanuc ROBOGUIDE: Bietet dedizierte Module (z. B. HandlingPRO), die den Energieverbrauch präzise berechnen und Bewegungsbahnen unter Berücksichtigung der Lebensdauer der Getriebe optimieren.
  • KUKA.Sim: Erlaubt die schnelle Erstellung von Linienlayouts und den Export von Simulationen in Augmented Reality (AR), wodurch die Konzeptvalidierung für das Management erleichtert wird.

Der Einsatz von Virtual Commissioning (virtuelles Inbetriebnehmen) kann die Stillstandszeiten während der Roboterimplementierung um bis zu 50 % reduzieren.

Wie wählt man vorab das passende Robotermodell für eine Aufgabe aus?

Vor der Entscheidung lohnt es sich, einige technische Aspekte zu klären:

  • Traglast (Payload): Wählen Sie stets ein Modell mit 15–20 % Leistungsreserve, um die Getriebe nicht an der Belastungsgrenze arbeiten zu lassen.
  • Reichweite (Reach): Denken Sie daran, dass zur Reichweite des Roboters die Abmessungen des Greifers (Tooling) hinzukommen. Beachten Sie außerdem, dass die Traglast mit zunehmender Reichweite abnimmt.
  • Arbeitsumgebung: Wird der Roboter in hoher Temperatur (Gießerei), Feuchtigkeit (Lebensmittelindustrie) oder in einem Reinraum (Pharma) eingesetzt? Jeder Hersteller bietet spezielle Varianten (z. B. IP67, Foundry Pro).
  • Zusammenarbeit mit Menschen: Wenn die Traglast es zulässt, sollten Sie klären, ob der Roboter in einem abgeschlossenen Bereich kontinuierlich arbeiten oder direkt mit Menschen zusammenarbeiten soll.

Fazit und Empfehlung von Amister

Die Wahl hängt von Ihrer Produktion und Strategie ab.

  • Wenn Sie eine Schweißlinie für tausende wiederholbare Bauteile aufbauen – setzen Sie auf Yaskawa oder Fanuc.
  • Benötigen Sie hingegen flexible Unterstützung an einer Montagearbeitsstation, die wöchentlich unterschiedliche Aufgaben erledigt – wählen Sie Universal Robots.

Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Roboterprogrammierung klassischer Industrieroboter von der Konfiguration von Cobots unterscheidet. Während bei traditionellen Robotern Kenntnisse in dedizierten Programmiersprachen erforderlich sind (wie RAPID bei ABB oder KRL bei KUKA), ermöglichen Cobots eine intuitive Roboterprogrammierung über grafische Oberflächen, die die Einstiegshürde für weniger erfahrene Operatoren deutlich senken.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

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